Am 20. November 2018 erklärte die Bundesfamilienministerin, Franziska Giffey (SPD) : „Für viele Frauen ist das Zuhause ein gefährlicher Ort.“ In Deutschland versucht heutzutage nach Angaben des Bundeskriminalamtes im Durchschnitt jeden Tag ein Mann, seine Partnerin oder Ex-Partnerin zu töten, und alle zwei bis drei Tage wird eine Frau von ihrem Partner oder Ex-Partner getötet. Im Jahr 2017 gab es in Deutschland fast 113.965 misshandelte Frauen. Und das Schlimmste: diese Zahlen werden sich immer als ungenau erweisen, denn fast 80% der Frauen (oder etwa jede fünfte Frau) sucht keine Hilfe. 

Bereits 2016 wurde die damalige Familienministerin Manuela Schwesig mit diesen schrecklichen Zahlen konfrontiert. Fast 125.000 Menschen galten in Deutschland als „misshandelt“ – und das Wort mag manchmal etwas schwach erscheinen – denn die Gewalt kann definiert werden als Belästigung, sexuelle Belästigung, Drohungen, körperliche Gewalt, Vergewaltigung und schließlich Mord. Von diesen 125.000 Menschen waren 100.000 Frauen. Manuela Schwesig erklärte damals, dass solche häusliche Gewalt unter keinen Umständen eine Privatangelegenheit sein dürfe und dass sich die Regierung mit ihr befassen werden müsse. Deshalb hatte sie Frauen ermutigt, die Hotline „Gewalt gegen Frauen“ anzurufen – ein Service, der rund um die Uhr kostenlose Hilfe und Beratung in verschiedenen Sprachen anbietet. 

Am vergangenen Dienstag präsentierte Frauenministerin Franziska Giffey die Ergebnisse von 147 Fällen von Gewalt gegen Frauen im Jahr 2017 in Berlin. Darüber hinaus gab es Fälle von Vergewaltigungen, Körperverletzungen, Belästigungen oder sexuellen Übergriffen, die in diesen 147 Fällen nicht erfasst wurden. Die derzeitige Familienministerin Franziska Giffey erklärte, dass solche häusliche Gewalt auf allen Ebenen der Gesellschaft existiert, unabhängig von der ethnischen Zugehörigkeit. Die Aggressoren kommen aus allen sozialen Schichten: darunter sind Menschen ohne Arbeit oder ohne Abschluss, aber auch viele gebildete Menschen. Es hätte also nichts mit dem Einkommen zu tun. 

Aber was wären dann die Ursachen für diese häusliche Gewalt? In den meisten Fällen kommt das Thema Alkohol ins Spiel, aber auch Geld oder psychische Störungen. Manchmal kann dieses aggressive Verhalten sogar von der erhaltenen Erziehung herrühren. Einige verhalten sich wie Patriarchen und denken, sie könnten ihre Frauen kontrollieren: der Mann dominiert, befiehlt und die Frau gehorcht. Es kommt aber auch vor, dass in Stresssituationen wie  Scheidung, Trennung oder dem Treffen eines neuen Partners der Ex-Partner plötzlich gewalttätig wird. Dies wird definiert als Bankrottsituation des Täters, ein emotionaler Zustand oder eine Krise nach Julia Reinhardt, der stellvertretenden Vorsitzenden der Bundesarbeitsgemeinschaft Täterarbeit Häusliche Gewalt. 

Ein zusätzlicher erschwerender Faktor wäre, dass viele Frauen keine Hilfe suchen – laut Statistik nur jedes fünfte Opfer. Und das würde die Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen nur noch schwieriger machen. Tatsächlich fühlten sich geschlagene Frauen durch diese Taten oft gedemütigt und wagen es nicht, sich bei den Polizeibehörden zu melden. Tatsächlich würde dies nicht dem Bild der modernen, starken, und selbstbewussten Frau entsprechen. Angst hat jedoch auch etwas mit diesem Schweigen zu tun. Einige misshandelte Frauen wagen es nicht, ihre Partner zu melden, aus Angst vor Repressalien. Diese Gewalt kommt oft von einem geliebten Menschen, ist auch die Ursache für psychische Verletzungen, und es wird umso schwieriger, diesem schrecklichen Alltag zu entkommen oder manchmal sogar seine Kinder zu schützen. 

Am Dienstag, dem 20. November, kündigte die Ministerin ihre Bereitschaft an, Geld zu sammeln, um misshandelte Frauen zu schützen. Bis heute wurde fast 30.000 Frauen geholfen, auch indem sie beherbergt wurden. Aber leider sind das zu wenige von ihnen. Die Ministerin erwäge daher eine Investition von rund 35 Millionen Euro in Aktionsprogramme im Jahr 2020. Diese Programme würden es den verschiedenen Ländern und Gemeinden ermöglichen, die notwendigen Strukturen für die Aufnahme dieser Frauen aufzubauen. Heute bieten die Unterkünfte noch nicht genügend Platz, um misshandelte Frauen aufzunehmen. Und all diese Unterkünfte sind nicht kostenlos. Der Beitritt zu einer kostenlosen Unterkunft bedeutet oft, sich von der Familie oder Freunden zu entfernen, was die Menschen oft davon abhält, aus ihrem Familienhaus auszuziehen. 

In Deutschland kann Gewalttätern für einen Zeitraum von 14 Tagen der Zugang zu ihrer Wohnung verweigert werden. Das hätte zu Verbesserungen geführt, aber wenn die Strukturen es den Frauen nicht ermöglichen, in der verfügbaren Zeit Zuflucht zu finden, führt das zu nichts. 

Am 20. November 2018 erklärte Franziska Giffey „das ist in einem modernen, fortschrittlichen Land wie Deutschland eine schnelle unvorstellbare Grössenordnung.“ Wie können diese schrecklichen Statistiken in einem modernen Land wie Deutschland also reduziert werden?

Adèle Hošek

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