Wir haben ein enormes Plastikmüllproblem, das bei der Zerstörung unseres Planeten eine große Rolle spielt. Das Einwegplastikverbot der EU ist ein bedeutender Schritt in die richtige Richtung, da es endlich politischen Willen zeigt, etwas zu verändern. Genau diesen politischen Willen brauchen wir für ein radikales Umdenken. Denn wir müssen viel weiter gehen, um unsere Erde zu retten.

Seit den 50er Jahren wurden ungefähr 10 Milliarden Tonnen Plastik produziert. Die Produktion von Plastik hat sich in den vergangenen fünfzig Jahren verzwanzigfacht, laut Branchenverbänden auf nun 311 Millionen Tonnen pro Jahr. In den kommenden 20 Jahren soll sich die Menge noch einmal verdoppeln. Derzeit werden 79% des Plastikmülls deponiert, dieser landet also auf Müllhalden, in Flüssen und Meeren. Eine Lastwagenladung Plastik wird pro Minute in die Weltmeere gekippt. 2050 wird, wenn es so weitergeht, mehr Plastik als Fische in den Ozeanen schwimmen. In den Ozeanen, die mehr als die Hälfte des Sauerstoffs in die Atmosphäre abgeben und den meisten Kohlenstoff aus ihr absorbieren. Der Plastikmüll, der nicht deponiert wird, wird entweder verbrannt (12%), wobei Schadstoffe in der Luft freigesetzt werden und am Ende Sondermüll entsteht, der wiederum auf Halden oder in der Natur deponiert wird. Oder er wird recycelt, wobei aber oft gesundheitsschädliche Stoffe wie Brom in die oft kurzlebigen Endprodukte verarbeitet wird. Eine Plastikflasche, die vielleicht zwanzig Minuten in Gebrauch ist, braucht 450 Jahre, um sich zu zersetzen. Und selbst dann verschwindet das Plastik nicht, es wird nur kleiner. Wir wissen nicht, wie wir Plastikmüll loswerden können. Wir wissen, dass Plastik bleibt. Und trotzdem wird gegen jegliche Logik weiterproduziert.

Ein Schritt in die richtige Richtung

Das Einwegplastikverbot der Europäischen Union, das wohl 2021 in Kraft treten wird, ist ein Schritt in die richtige Richtung, doch angesichts dessen, was wir alles über den Klimawandel und die immer schnellere Zerstörung unseres Planeten wissen, doch ein recht kleiner. Versteht mich hier nicht falsch, es ist großartig, dass endlich politischer Wille da ist, etwas für unseren Planeten zu tun. Denn dieser ist paradoxerweise kaum gegeben in einer Welt, in der sich oft alles bloß um Profite und Akkumulation dreht. Deshalb ist es großartig, dass auf europäischer Ebene nun erste ernsthafte Maßnahmen getroffen werden, um dem weltweiten Plastikmüllproblem entgegenzuwirken. Denn die bald verbotenen Einwegplastikprodukte machen immerhin 70% der Müllberge aus, welche in den Weltmeeren umhertreiben und an den Stränden, aber auch in den Mägen der Fische und schließlich im Menschen landen.

Möglicherweise hat hier auch die Entscheidung Chinas mitgespielt, keinen Plastikmüll mehr zu importieren. Denn die EU exportiert, wie auch alle anderen Industrienationen, tonnenweise Müll, von Plastikmüll zu Elektroschrott, in Entwicklungsländer, wo der Müll leicht ins Ökosystem gelangt. Deshalb müssen wir Verantwortung übernehmen und unsere Müllproduktion eindämmen und letztendlich komplett stoppen. Und natürlich den Müll aus den Ozeanen fischen, der sich seit Jahren auf gigantischen Flächen sammelt. Im Pazifik schwimmt der Plastikmüll mittlerweile auf einer Fläche, die dreimal so groß ist wie Frankreich. “The Ocean Cleanup” ist hierzu ein vielversprechendes Projekt, das sich daran macht, diesen Kontinent aus Plastik zu beseitigen.

Wir müssen Umdenken

Aber das Plastikproblem ist nur die Spitze des Eisbergs, wenn es um die Rettung unserer Erde geht, und das EU Verbot ist doch recht limitiert. Es braucht nicht nur eine Ausweitung des Verkaufsverbots auf jegliches Einwegplastik, angefangen bei Plastikflaschen bis zum Plastik in Zigarettenfiltern. Die Plastikindustrie muss auch Verantwortung übernehmen und damit die gesamten Kosten für die Entsorgung, die Wiederverwendung oder das Recycling des Plastiks übernehmen und aufhören, vom eigentlichen Problem abzulenken und den KonsumentInnen in Form von Mülltrennkampagnen oder Ähnlichem, die Schuld in die Schuhe zu schieben. Durch ein flächendeckendes Pfandsystem könnte man beispielsweise die Plastikflaschenindustrie zur Verantwortung ziehen.

Zusätzlich zur Bekämpfung des Plastikmüllproblems müssen auch konkrete und ambitionierte Maßnahmen gegen den CO2 Ausstoß unternommen werden. Es braucht einen Umstieg auf erneuerbare Energie und Ausstieg aus Kohlekraftenergie. Es braucht aber vor allem ein Umdenken. Denn der Plastikmüll ist nur ein Teil des weltweiten Umweltproblems. Es ist von Grund auf unlogisch, einen Menschen von rund 70kg mit einem Gefährt, das eine Tonne wiegt, zu transportieren. Auch die Umwandlung von einer raren Ressource, dem Erdöl, in Wegwerfplastikflaschen, die dann in den Ozeanen herumtreiben und den Meeresbewohnern schaden, oder auch im Boden großen Schaden anrichten, geht gegen jegliche Logik. Wir müssen aus alten Denkmustern ausbrechen und innovativ werden. Wir können es uns einfach nicht mehr leisten, auf Pump zu leben wie bisher.

Politischer Wille ist gefragt

Doch wer wird all das machen? Ein/e “NormalbürgerIn” hat einen stark begrenzten Spielraum. Es muss von oben kommen, also von Unternehmen und Regierungen. Damit möchte ich keinesfalls sagen, dass wir jetzt alle unseren Müll beim Fenster hinauswerfen sollen und in Plastik eingepackte geschälte Bananen kaufen sollen. Nein, sparsames und bedachtes Konsumieren von jeglichen Ressourcen ist ein Muss. Doch die Zeit für drastische Maßnahmen ist gekommen. Und die CEOs der mächtigen Industrien und Staatsoberhäupter wissen das, doch sie verdrängen, wollen nicht wahrhaben oder es ist ihnen schlicht und einfach egal. Die Nachkriegsgeneration hat uns ein System hinterlassen, das unsere Erde und den Großteil der Menschheit ausbeutet.

Wir brauchen ein neues System, in dem nachhaltiges Verhalten belohnt wird, in dem wir miteinander auf eine bessere Zukunft hinarbeiten und nicht gegeneinander. Wir brauchen Staatsoberhäupter, die an das gemeinsame Wohl denken und nicht ans Wiedergewählt Werden oder an ihre Geldbörse. Wir brauchen Firmen, die Verantwortung übernehmen. Wir brauchen mehr soziale Gerechtigkeit und weniger Armut auf der Welt. Wir müssen Gemeinsamkeiten unterstreichen und nicht auf populistische und protektionistische Rhetorik hören. Denn wir haben viel zu gewinnen, aber auch viel zu verlieren, wenn wir nicht endlich wirklich etwas verändern. Wir können einfach nicht mehr Kunststoff, ein Material, das Hunderte von Jahren hält, als Einwegverpackungen verwenden. Das Einwegplastikverbot der EU ist ein wundervoller Beginn, doch es muss viel weiter gehen. Denn was wir brauchen ist internationale Zusammenarbeit, um zu retten, was noch zu retten ist.

Natalie BOCK

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