Europa lebt von der Mobilität seiner Studierenden, so sollen Austauschprogramme wie das Erasmus-Programm der Europäischen Union helfen, eine europäische Identität und Solidarität zu schaffen sowie Einblicke in ein unbekanntes Bildungssystem zu ermöglichen. Bisher wagen vergleichsweise wenig Studierende den Schritt in das europäische Ausland: So studierten 2013 laut des Statistischen Bundesamts 6.654 deutsche Studierende an universitären Einrichtungen in Frankreich, davon allein 4.877 im Rahmen des ERASMUS-Programmes.

sorbonne Université Paris-Sorbonne, Quelle: paris-sorbonne.fr

Warum Frankreich ?

Es sprechen viele Gründe dafür, ein reguläres Studium in Frankreich zu beginnen oder weiterzuführen: Frankreich und Deutschland gelten als die demographischen und wirtschaftlichen Schwergewichte in Europa. In diesem Zusammenhang wird oft von dem deutsch-französischen Tandem gesprochen, das als Motor oder Lokomotive der europäischen Integration gilt. Beide Länder verbindet seit der Unterzeichnung des Elysée-Vertrages 1963 eine enge deutsch-französische Freundschaft, welche sich in zahlreichen deutsch-französischen Institutionen und der gegenseitigen Verflechtung der Außen-, Sicherheits-, Jugend- und Kulturpolitik ausdrückt.

Von Vorteil ist die Beherrschung der französischen Sprache in einem immer stärker globalisierten Arbeitsmarkt, bezeichnenderweise sprechen 260 Millionen Menschen Französisch in über 70 Staaten, in denen sie die oder eine der offiziellen Landessprachen ist. Darüber hinaus ist Französisch Arbeitssprache den VN und der NATO sowie der Europäischen Union und nach Englisch die zweithäufigste Fremdsprache in Europa. Außerdem ist Frankreich eine herausragende Kulturdestination mit seinen unzähligen geschichtsträchtigen Monumenten, seinen zahlreichen Kulturschaffenden sowie aufregenden Städten und Regionen.

Wer sich davon noch nicht überzeugen lässt, kann vielleicht mit dem französischen Savoir-vivre überstimmt werden: Frankreich gehört zu den Ländern mit der höchsten Lebensqualität und die hochgelobte französische Küche, die 2010 ins UNESCO-Weltkulturerbe aufgenommen wurde, hat allen Geschmäckern etwas zu bieten.

azurCôte d’Azur, Quelle: welt.de

Die französische Hochschullandschaft und Bewerbung

Dank der Bologna-Reform haben sich die europäischen Hochschulsysteme einander angeglichen und es bestehen in der Regel keine Schwierigkeiten, Studienabschlüsse oder Hochschulzugangsberechtigungen (in Frankreich üblicherweise das französische Abitur, genannt BAC für Baccalauréat) anerkennen zu lassen. Die französische Licence (der französische Bachelor) und der Master sowie der deutsche Bachelor und Master entsprechen im Umfang den europäischen ECTS-Punkten. Das Studium ist in Frankreich, mit Ausnahmen einiger weniger Hochschulen, mit keinen Studiengebühren verbunden und die Studienbeiträge (Bibliothekskosten, Druckgebühren) entsprechen in etwa denen in Deutschland.

Unterschiede zum deutschen Hochschulsystem zeigen sich jedoch vor allem in zeitlichen Fristen und im strukturellen Aufbau. In Frankreich wird das Studium in Studienjahren und nicht in Semestern unterteilt: Man spricht also von der Licence 1, 2 und 3 sowie vom Master 1 und 2, anstatt von Winter- und Sommersemestern.

Ein Studienjahr beginnt gewöhnlich schon im September und in Frankreich ist es wesentlich üblicher zwischen den Studienjahren die Hochschuleinrichtungen zu wechseln. Besonders ist die in den letzten Jahren stark umstrittene Selektion zwischen Master 1 und Master 2, das bedeutet eine Aufnahme eines Masters an einer Hochschule zum ersten Masterjahr garantiert keine Fortsetzung des Studiengangs im zweiten Jahr.

systemDas französische Hochschulsystem, Quelle: bayern-france.org

Der Nachweis von Französisch-Kenntnissen ist in Frankreich für Studienbewerber aus Ländern in denen Französisch keine Amtssprache ist Zugangsvoraussetzung: In der Regel und meist ausschließlich muss der Nachweis mit einem bestandene DELF B2 für einen Bachelorstudiengang oder DALF C1 für einen Masterstudiengang erfolgen. Die DELF- und DALF- Diplome entsprechen dabei dem Gemeinsamen Europäischen Referenzrahmen für Sprachen und werden an den öffentlichen Instituten der französischen Sprache und Kultur wie beispielsweise der Alliance française oder dem Institut français angeboten. Einige Hochschulen, vor allem im Großraum Paris, akzeptieren auch die Sprachdiplome der Pariser Industrie- und Handelskammern. Deutsche Studienanfänger können den Sprachnachweis an einigen Hochschulen mit dem Nachweis eines französischen Leistungskurses im Abitur oder dem deutsch-französischen AbiBac ersetzen.

Der Bewerbungsprozess ähnelt dem in Deutschland, wird eine reguläre Einschreibung außerhalb von Austauschprogrammen angestrebt, unterscheidet sich die Bewerbung zu den Franzosen nicht in seiner Form. In der Regel erfolgt die Bewerbung über ein Online-Portal. Da das Studienjahr in Frankreich früher beginnt als das deutsche Wintersemester startet die Bewerbungsphase in Frankreich oft schon Ende Januar und endet Anfang Mai. Es besteht aber auch die Möglichkeit angestrebte Studienabschlüsse nachzureichen. Sollte man sich für einen Master bewerben gehören zu einer Bewerbung ein aussagekräftiges Motivationsschreiben sowie ein oder zwei Bewerbungsgespräche, bei denen berufliche oder akademische Ziele erläutert werden.

Das Benotungssystem in Frankreich unterscheidet sich stark und eine genaue Umrechnung der Noten erweist sich leider noch als schwierig. Die Notenskala in Frankreich erstreckt sich von 0 bis 20, dabei gilt eine 10 als bestanden. Die Noten 17-20 werden in Frankreich jedoch äußerst selten vergeben und kommen einer seltenen besonderen Auszeichnung gleich.  Eine deutsche 1,0 entspricht einer französischen 16/20, eine 2,0 einer 14/20. Eine französische 14/20 ist also keine schlechte Note, was für deutsche Betrachter auf dem ersten Blick als verwirrend erscheinen dürfte. Für die Bewerbung ist jedoch die Mention das entscheidende Kriterium, sprich die Prädikate très bien (sehr gut) bis passable (ausreichend).

notenFranzösische Noten, Quelle: mawista.com

Sollte man seine Hochschulzugangsberechtigung oder seinen Abschluss übersetzen lassen, gilt bei der Übersetzung und Umrechnung der Noten der Notenspiegel der Kulturministerkonferenz der BRD, der auf der Homepage zu finden ist.

Die Bewerbungsdokumente müssen in der Regel im Original sowie mit einer beglaubigten Übersetzung eingereicht werden. Beglaubige Übersetzer lassen sich über die französische Botschaft finden, sind jedoch mit Kosten verbunden. Eine Übersetzung des Abiturs oder des Bachelors kann aber auch selbst anhand von Modellen erstellt werden und von der Organisation Campus France Deutschland beglaubigt werden. Campus France ist eine Organisation, die deutschen Studieninteressierten im Bewerbungsprozess kostenlos zu allen möglichen Fragen Unterstützung anbietet.

Die Lebenshaltungskosten unterscheiden sich nicht zu denen in Deutschland, mit Ausnahme von Paris, in denen einige Lebensmittel, aber vor allem Mieten deutlich höher ausfallen als in jeder deutschen Großstadt. Ein reguläres Studium kann in Frankreich durchgehend mit BAföG gefördert werden, in Frankreich besteht darüber hinaus die Möglichkeit, studentisches Wohngeld von der sogenannten CAF, zu beantragen, was bis zu 1/3 der Monatsmiete betragen kann. Zahlreiche Stipendien im Rahmen eines deutsch-französischen Studiums lassen sich über den Deutschen Akademischen Austauschdienst (DAAD) und vielen weiteren öffentlichen und privaten Stiftungen finden. Erwähnenswert ist auch das Deutsch-Französische Jugendwerk (DFJW), welches studienbedingte Praktika im jeweiligen Partnerland fördert. Sollte man sich im Großraum Paris aufhalten, kann man sich für ein Zimmer in der Maison Heinrich Heine bewerben, welches erstklassige Studien- und Lebensbedingungen für seine Studenten bietet und eine bekannte und wichtige Institution im deutsch-französischen Austausch darstellt.

Es sprechen zahlreiche Gründe dafür, ein Studium in Frankreich aufzunehmen oder fortzuführen. Das Überwinden der bürokratischen Herausforderungen wird mit einem tieferen Einblick in die französische Kultur und einer Perfektionierung der Sprachkenntnisse belohnt. Die deutsch-französische Freundschaft drückt sich in seinen zahlreichen deutsch-französischen Institutionen aus, welches den Zugang zu einem Studium in Frankreich wesentlich erleichtert. Abschließend lässt sich auch auf die Studienmesse Forum Franco-Allemand in Strasbourg verweisen, wo Studiengänge der Deutsch-französischen Hochschule vorgestellt werden und französische Universitäten gezielt um deutsche Studierende werben.

Philipp BORS

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