Die Räumung des Flüchtlingslagers in Calais hat am Morgen des 24. Oktobers 2016 begonnen. Wie geplant wurde der „Dschungel von Calais“ innerhalb einer Woche vollständig aufgelöst. Da es aber schon seit Monaten Auseinandersetzungen rund um das Lager gab und die Räumung umstritten war, herrschte von Beginn an eine ziemlich angespannte Stimmung. Deswegen waren rund 1250 Polizisten vor Ort im Einsatz. Schon in den Tagen davor war es zu Zusammenstößen zwischen Migranten und der Polizei gekommen: Mehrere Flüchtlinge hatten Flaschen und Steine auf die Sicherheitskräfte geworfen, die wiederum mit Rauchbomben reagierten. 

 666Der „Dschungel von Calais“: „Die Zelte, Baracken und Wohnwagen sind nicht beheizt, und wenn es regnet, verwandelt sich der Boden in Morast“, Der Spiegel (Crédit photo: spiegel.de)

Wo wurden die etwa 6500 Migranten hingebracht?

Die Flüchtlige wurden zuerst in einem Registrierzentrum in der Nähe des Dschungels befragt. Vor ihrer Abfahrt konnten sie in der Tat eine Präferenz angeben, in welche Region sie gebracht werden wollten: Sie durften zwei Regionen in Frankreich wählen, außer Paris und Korsika. Danach wurden die Flüchtlinge mit Bussen in rund 450 Aufnahme- und Orientierungszentren gebracht und auf ganz Frankreich verteilt, wo sie später einen Asylantrag stellen können. Dabei sollte dem französischen Innenminister Bernard Cazeneuve zufolge „jede Region, jedes Departement einige Dutzend oder hundert Migranten aufnehmen, je nach ihren Möglichkeiten“.

Viele Flüchtlinge haben sich am ersten Tagen freiwillig gemeldet, weil sie das Flüchtlingslager und die schwierigen Lebensbedingungen schnellstmöglich verlassen wollten. Andere wollten Calais jedoch nicht verlassen, meistens, weil sie nicht in Frankreich, sondern in Großbritannien Asyl beantragen wollten. So waren viele Flüchtlinge nach Calais gekommen, mit der Hoffnung den Ärmelkanal zu überqueren und Großbritannien erreichen zu können. Die französische Regierung drohte allerdings mit einer Festnahme und einer Abschiebung in ihre Heimatländer für die die nicht Kooperationswilligen unter ihnen.

Für die unbegleiteten und minderjährigen Flüchtlinge, die mehr als 1.300 Bewohner des Lagers entsprachen, gab es spezielle Regeln. Viele von ihnen wollten nach Großbritannien gelangen, und um sie zu schützen, wurden sie seit Mitte Oktober in vorläufigen Wohncontainern am Rande des „Dschungels“ – dessen Kapazität allerdings nicht reichte – oder in anderen Aufnahmezentren untergebracht. Obwohl etwa 300 junge Flüchtlinge in den vergangenen Tagen vor der Räumung von ihren Verwandten aufgenommen wurden, waren die britische und die französische Regierung nach der Räumung nicht mehr damit einverstanden und schienen die Verantwortung über diese Frage nicht übernehmen zu wollen. Paris wollte, dass London die minderjährigen Flüchtlinge mit Verwandten in Großbritannien aufnimmt, während das Vereinigte Königreich Frankreich aufforderte, diese zu schützen. Inzwischen hat die britische Regierung angekündigt, dass in den kommenden Wochen „mehrere hundert Kinder und Jugendliche von Calais aus nach Großbritannien“ gebracht werden.

Auswirkungen auf Frankreichs Nachbarländer

Gemäß den Regelungen des Dublin-Abkommens muss ein Asylverfahren „in dem EU-Staat abgewickelt werden, in dem sich die Person zuerst registrieren lassen hat“. Obwohl mehr als zwei Drittel der Einwohner des Lagers bereits vor ihrer Ankunft in Frankreich in der EU registriert wurden – meistens in Italien –, hat man mit der Räumung des „Dschungels von Calais“ eine Ausnahme gemacht. Da sich mehrere hundert Migranten zuvor in Deutschland registriert lassen oder dort bereits einen Asylantrag gestellt haben, ist es allerdings möglich, dass die französische Regierung Deutschland bittet, diese Migranten wieder aufzunehmen. Viele Experten sagen aber, dass Deutschland schon genug Flüchtlinge aufgenommen hat.

Nicht zu Letzt ist Belgien ebenfalls von der Räumung des Flüchtlingslagers betroffen. Die belgische Regierung hat entschieden, die Polizei an der belgisch-französischen Grenze zu verstärken, um zu verhindern, dass Flüchtlinge versuchen via Belgien nach Großbritannien zu gelangen.

Kommende Herausforderungen

Es war höchste Zeit, sich um das Flüchtlingslager in Calais zu kümmern und den « Bewohnern » eine bessere Unterkunft zu beschaffen. Doch jetzt muss man bereits an die Zukunft und an die nächsten Herausforderungen denken. Insbesondere wird die Integration der Flüchtlinge, die in Frankreich bleiben, nicht einfach werden. Man muss auch eine Lösung für den Anstieg der Flüchtlinge, die seither nach Paris gekommen sind, finden. Darüber hinaus darf nicht vergessen werden, obwohl die Flüchtlingspolitik in Frankreich ein halbes Jahr vor den Präsidentschaftswahlen ein umso wichtigeres Thema geworden ist, dass es in der Flüchtlingskrise um Männer, Frauen und Kinder geht, die das Recht auf bessere Lebensperspektiven haben sollten.

Sarah MAX

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