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Im April wurde ich Zeuge einer Wahlkampfveranstaltung des republikanischen Präsidentschaftskandidaten in Pittsburgh, Pennsylvania. Was ich zu Gesicht bekam, war besorgniserregender als ich erwartet hatte.

Keineswegs, weil ich nicht bisher wusste, dass Donald Trump mit seinen ganzen rassistischen Kommentaren nichts weiter als ein stumpfer Populist ist, der im Kern von weißen Arbeitern ohne Hochschulabschluss unterstützt wird.

Was mich überraschte war insbesondere die hohe Anzahl an jungen Amerikanern, an Anzugträgern, an Kleinfamilien und deren zynischen Reaktionen und hasserfüllten Worten gegen Politiker (jeglicher politischer Couleur), andere Nationen, Medien und Demonstranten; alles in allem: gegen die demokratischen Grundwerte.

Die Idee eine Mauer zu Mexiko zu bauen („wer bezahlt dafür?`- Mexiko!“) und Spitznamen wie „lying Ted“ für politische Kontrahenten sind Schlüsselwörter, die, sobald Trump sie in den Mund nimmt, die Menge euphorisch werden lässt, voller Hass und bitterem Zynismus. Die sich selbst bejubelnde Menge ist dabei überzeugt, dass sie Teil einer (populistischen) Revolution sind und den Aufstand der Unanständigen repräsentieren.

Wie sonst auch, pöbelt Trump gegen China. Dafür, dass das Land die USA finanziell durch ihre Geldabwertung betrüge (jedoch im selbigen Moment vergewissert er seine Zuhörer, er habe ja eigentlich „nichts gegen China“); er zieht über Handelsabkommen her – insbesondere TTIP, über die europäischen NATO-Partner; er sagt, er würde als US-Präsident die Syrer alleine lassen, bis sie sich gegenseitig töten (aber gleichzeitig würde er „den ISIS komplett ausbomben“). Bei all dieser unlogischen, nicht strukturierenden Hasspredigt ist es schon fast bemerkenswert, dass dieser Mann es schafft, nur in Superlativen zu reden („Große Massenbewegung, großes (gesellschaftliches) Phänomen“, „viel schlimmer als Politiker“, „die schlimmsten Menschen überhaupt [Politiker]“, „viel Geld“ , „ich schaffe Millionen von Jobs“, „Ich habe Menschenverstand, und davon sehr viel“ (was für mich persönlich der größte Scherz war, wobei ich nicht genau einschätzen konnte, ob er an dieser Stelle sogar auf ironische Art und Weise selbstkritisch war), „wir schmieden die besten Pläne“, „Ich helfe dem Militär wieder zu beachtlicher Größe“).

Seine politischen Aussagen sind einfach zu verstehen – zu einfach. Denn er erklärt in keiner Weise, wie seine politischen Konzepte überhaupt aussehen und inwiefern er „Amerika wieder groß machen“ möchte. Er sagt lediglich, dass es dank ihm so sein werde. Politik ist nicht einfach. Und die Probleme, die die USA bewältigen muss, brauchen ernstzunehme, vernünftige und durchdachte Lösungsansätze und nicht den populistischen Mist, den Trump mit seinem Vokabular eines Grundschülers seinen Zuhörern zubrüllt.

Nach knapp einer Stunde lasse ich mich von der Masse hinaustragen, wo die Gegendemonstranten bereits mit Schildern und Rufen aufwarten. Ich bin froh so viele jungen Menschen zu sehen, die wütend „Fuck Trump“ rufen. Die Trump-Unterstützer antworten nicht gerade beeindruckend kreativ mit „USA, USA“-Rufen.

Donald Trump ist nicht nur dazu bereit, die Republikanische Partei zu spalten, die zurzeit von einer heftigen internen Identitätskrise um ihre Werte gebeutelt ist. Sondern er spaltet ebenfalls die

amerikanische Nation und Gesellschaft – an dem Abend klar sichtbar durch die aufeinander treffenden Gruppen der Trump-Unterstützer und –Gegner.

Am Ende der Veranstaltung spielen die Organisatoren den Song „You can’t always get what you want“ von Rolling Stones. Anzeichen von Resignation? Hoffen wir, dass Donald Trump dieses Schicksal widerfährt.

Florian STAUDT

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